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Rituale zum Abschied

Abschiedsrituale können dabei helfen, den Weg eines sterbenden oder eines verstorbenen Menschen intensiv mitzuerleben. Sie würdigen die Person und das Leben, das zu Ende geht bzw. ans Ende gekommen ist. Nicht jeder kann an einem Abschiedsritual teilnehmen, manche brauchen andere Wege des Abschiednehmens. Aber diejenigen, für die sie passen, machen in der Regel die Erfahrung, dass im schrittweisen Vollziehen und Gestalten des Abschieds nicht nur die aktuelle, sondern auch die zukünftige Trauer unterstützt wird.

Die meisten der hier aufgeführten Rituale zum Abschied kann man selbst durchführen. Nur für die Verabschiedung des Sarges vor der Kremation braucht man einen hauptamtlichen Seelsorger bzw. eine Seelsorgerin oder jemanden, der ehrenamtlich für die Begräbnisleitung beauftragt ist.

Es ist jedoch auch für alle anderen genannten Formen möglich, eine außenstehende Person für das Durchführen bzw. Leiten des Rituals anzufragen.

Im Sterbesegen wird das Leben eines kranken bzw. dem Tode nahen Menschen bedacht, gewürdigt, vor Gott gebracht und gesegnet. In der Regel kann man davon ausgehen, dass der schwer erkrankte Mensch die Atmosphäre und die gesprochenen Worte auch dann noch wahrnimmt, wenn er sich selbst nicht mehr dazu äußern kann. Ein Abschiednehmen und Segnen in der Form des Sterbesegens kann eine große Bedeutung für die Teilnehmenden und für einen friedvollen Sterbeprozess haben.

Sie können selbst einen Segen vornehmen und ein Gebet sprechen. Eine Auflistung möglicher Gebete aus dem „Gotteslob“ finden Sie unter dem Punkt „Gebete am Sterbe- und Totenbett“.

Oder Sie bitten einen Seelsorger oder einer Seelsorgerin um Begleitung. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ambulanten Hospizdienstes können ebenfalls angefragt werden. Wenn Ihr Angehöriger in einer Einrichtung oder im Krankenhaus verstirbt, können Sie über die dort zuständigen Personen um Unterstützung bitten.

Aufbahrung zu Hause

Eine Aufbahrung zu Hause ist eine besonders persönliche Form des Abschieds. In den meisten Bundesländern darf ein Verstorbener bis zu 36 Stunden nach dem Eintritt des Todes zu Hause aufgebahrt werden, sodass Angehörige in vertrauter Umgebung Abschied nehmen können. Die Bestatterin bzw. der Bestatter unterstützt bei der Organisation, der hygienischen Versorgung und der Einhaltung gesetzlicher Fristen.

Abweichende Fristen bestehen in Brandenburg und Sachsen (24 Stunden) sowie in Thüringen (48 Stunden). In Bayern legen die Kommunen die Fristen fest. Sondergenehmigungen für einen längeren Verbleib Verstorbener zu Hause können beantragt werden. Verstorbene dürfen darüber hinaus nach dem Tod in einem Krankenhaus oder Heim auch noch einmal nach Hause gebracht werden.

 

Aufbahrung bei einer Bestatterin bzw. einem Bestatter

Eine Aufbahrung des Sarges im Bestattungsinstitut findet in der Regel in eigens dafür eingerichteten Abschiedsräumen oder in einer Trauerhalle statt. Diese Räume ermöglichen Angehörigen und Zugehörigen eine ruhige Atmosphäre für den letzten Abschied. Die Bestatterin bzw. der Bestatter kümmert sich um alle Details – von der Vorbereitung des Sarges über die Dekoration mit Blumenschmuck, die Beleuchtung bis hin zu passender Musik, sofern dies gewünscht ist.

Eine solche Aufbahrung kann auch als Verabschiedungsfeier gestaltet und von einer geeigneten Person geleitet werden.

 

Aufbahrung in der Friedhofskapelle

Eine Aufbahrung in der Friedhofskapelle oder Trauerhalle ist in aller Regel mit der Trauerfeier verbunden. Hier steht der Sarg – meist geschlossen – in der Mitte des Raumes, umgeben von Blumen und Kerzen. Diese Form der Aufbahrung verbindet den Moment des Abschieds mit dem feierlichen Rahmen der Beisetzung. Auch größere Trauergemeinschaften finden hier Raum für stille Andacht und Abschiednahme.

In der Regel ist es vor der Beisetzung auch mehrfach möglich, sich im Bestattungsinstitut oder in der Friedhofshalle von der verstorbenen Person zu verabschieden, entweder am Sarg oder vor der Urne.

Sowohl die Aufbahrung einer verstorbenen Person zuhause als auch die Aufbahrung im Sarg bieten vielfältige Möglichkeiten für kreative Elemente wie zum Beispiel das Mitgeben von Blumen, gemalten Bildern, selbst geschriebenen Briefen oder religiösen Gegenständen wie Kreuz oder Rosenkranz. Auch andere symbolische oder reale Gegenstände werden manchmal als Grabbeigaben verwendet. Es sollten allerdings keine Gegenstände mitgegeben werden, die für die Hinterbliebenen selbst noch derart von Bedeutung sind, dass es wichtig ist, sie bei sich zu behalten. Kinder sollten zum Beispiel keine Stofftiere oder Gegenstände mitgeben, die sie selbst zum Einschlafen oder zur Beruhigung brauchen. Hiervon kann man aber gemalte Bilder anfertigen und mitgeben.

Im aktuellen katholischen Gebet- und Gesangbuch „Gotteslob“ (1. Auflage 2013) gibt es eine Reihe von Gebeten und Gesängen für Situationen von schwerer Krankheit, Sterben und Tod:4

Nr 3, Seite 34 ff.

Grundgebete wie Vater unser, Glaubensbekenntnis, Gegrüßet seist Du, Maria, Angelus

Nr 4, Seite 38 ff.

Rosenkranz

Nr 6, Seite 44 ff.

Gebete: Vor Gottes Angesicht, zu Jesus Christus, zum Heiligen Geist, zur Kommunion

Nr 8, Seite 54 ff.

Gebete: Vertrauen, Lobpreis, Klage, Bitte und Dank

Nr 37, Seite 140

Psalm 23

Verzeichnis der abgedruckten Psalmen: rote Blätter vor Nr. 30 

Nr 10, Seite 59 ff.

Gebete zu Maria, den Engeln und Heiligen

Nr 17, Seite 80 ff.

In Krankheit

Nr 18, Seite 81 ff.

Im Angesicht des Todes, dort auch Hinweise auf weitere Gebete, Lieder und Andachten

Nr 28, Seite 112 ff.

Hausgebet für Verstorbene

Nr 608, Seite 724 

Gebete unmittelbar nach dem Verscheiden

Nr 609, Seite 726

Die Totenwache, hier Hinweise auf Gebete, Litaneien, Andachten, Lieder und Psalmen

 

Bei einer Verabschiedung am Totenbett wird das Leben der verstorbenen Person in den Blick genommen und gewürdigt. Dank, Bitte und die Segnung der Verstorbenen bzw. des Verstorbenen sind möglich Elemente.

Sie können eine solche Verabschiedung selbst durchführen oder dafür eine außenstehende Person anfragen, zum Beispiel eine Seelsorgerin oder einen Seelsorger, eine Person, die haupt- oder ehrenamtlich in der Hospizbegleitung oder Begräbnisleitung tätig ist oder eine Mitarbeiterin bzw. einen Mitarbeiter, der Ihren Angehörigen in einer Einrichtung oder im Krankenhaus betreut hat.

Wenn Sie selbst eine Verabschiedung gestalten möchten, können Sie zum Beispiel aus dem „Gotteslob“ ein geeignetes Gebet auswählen. Eine Auflistung der entsprechenden Stellen im „Gotteslob“ finden Sie unter dem Punkt „Gebete am Sterbe- und Totenbett“.

Eine Kurzform für einen Segen zum Abschied finden Sie hier:

 

Gebet und Segen zum Abschied

Gott, wir schauen auf ..., der (die) nun verstorben ist.

Es ist noch so unbegreiflich

und wir können noch nicht fassen, was geschehen ist.

 

Wir bitten dich: schau auf ihn (sie) und schenke ihm (ihr) deinen Frieden.

Lass ihn (sie) geborgen sein in deinem Licht.

Sieh auch auf uns, die wir von seinem (ihrem) Tod berührt sind.

Sieh auf all das, was uns dabei bewegt.

 

Wir bitten dich: nimm …(Name) bei dir auf.

Du, Herr, weißt um all das Schöne und Schwere in seinem (ihrem) Leben, um alle Sorgen und Mühen, alle Hoffnung und Sehnsucht, alles Erfüllte und das, was unerfüllt geblieben ist.

 

Du kennst seine (ihre) ganze Lebensgeschichte und sein (ihr)Lebenswerk,

all das Gute, das er (sie) getan hat,

und die Liebe, die er (sie) gegeben hat.

Vollende, was offen und unfertig geblieben ist

und alles, was der Vergebung bedarf.  

* Segne Du, guter Gott, … (Name) im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Hier können die Anwesenden in Stille ein Kreuzzeichen auf Stirn, Herz und Hände machen.

Man kann die Verabschiedung auch mit einem gemeinsam gesprochenen Vater unser abschließen.

 

 Variante ab *:

Gemeinsam schauen wir nun (in Stille) auf den Lebensweg von…., erinnern uns und bringen vor Gott:

- gemeinsam Durchlebtes…

- wichtige Personen und Ereignisse…

- Schönes, Wertvolles und Gutes, für das wir dankbar sind…

- offen Gebliebenes, Schmerzliches und Versäumtes…

- was wir einander schuldig geblieben sind und wofür wir um Vergebung bitten…

- was unser Herz bewegt…

- was wir unbedingt in Erinnerung behalten möchten…

 

Wenn es passt, können Sie die Anwesenden an dieser Stelle dazu einladen, eine Erinnerung an die verstorbene Person auszusprechen.

Alles Ausgesprochene und auch das Unausgesprochene geben wir in Gottes Hand und bitten um den Segen.

* Segne Du, guter Gott, … (Name) im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Hier können die Anwesenden in Stille ein Kreuzzeichen auf Stirn, Herz und / oder Hände machen.

Man kann die Verabschiedung auch mit einem gemeinsam gesprochenen Vater unser abschließen.

(Text: Jürgen Burkhardt)

Dieser besondere Akt des Abschieds hat in vielen Kulturen und Traditionen eine tiefe symbolische Bedeutung und bietet den Hinterbliebenen die Möglichkeit, ihre Liebe und Verbundenheit auf eine sehr persönliche Weise auszudrücken. Gerade wenn Familienmitglieder selbst über längere Zeit die Pflege zu Hause übernommen haben, ist das Waschen des Verstorbenen schon ein bekannter und natürlicher Vorgang.

Die Zeremonie der Totenwaschung kann an unterschiedlichen Orten stattfinden: zuhause im Sterbezimmer, im Pflegeheim, im Hospiz, auf der Palliativstation oder im Krankenhaus.

Diese Waschung ist eine Ehrung des Körpers, der einmal ein „Zuhause“ war. Die möglichen Spuren von Krankheit, Schmerz und Leid werden mit warmen Händen und feuchten Waschlappen vorsichtig abgewaschen, der Körper wird mit duftenden Ölen gesalbt und mit liebevoller Fürsorge umhüllt und anschließend gekleidet – mit der Lieblingskleidung, einem Festtagsgewand oder mit einem schlichten Totenhemd.

Diese Tradition lebt von einer tiefen Symbolik und kann eine wichtige emotionale Unterstützung für die Angehörigen bzw. die Personen sein, die sie vollziehen und dadurch die verstorbene Person auf ihrer letzten Reise noch ein Stück weit begleiten.

Für das Waschen und Ankleiden werden mindestens zwei Personen gebraucht. Je nach Ort und Gegebenheit sind Absprachen mit dem Pflegepersonal und der Bestatterin bzw. dem Bestatter wichtig.

Es kann hilfreich sein, den Moment, in dem die verstorbene Person vom Ort des gemeinsamen Lebens bzw. des letzten Aufenthaltes weggebracht wird, bewusst zu begehen und dies als letzten häuslichen Abschiedsmoment zu würdigen. Dazu kann man ein passendes Gebet sprechen oder auch Worte wie die folgenden lesen oder aussprechen:

Dein Leben war einmalig und kostbar. Unvergänglich in Ewigkeit. Erfüllt mit Dankbarkeit und Schmerz erinnern wir uns an gemeinsame Freuden und Herausforderungen, an Momente des Lächelns und der Tränen. Für diese Erinnerungen sagen wir von Herzen Dank. So soll all die Liebe und Treue, die wir erfahren haben, in deiner ewigen Freude belohnt werden.

Mit der Schließung des Sarges wird gleich die Tür des irdischen Lebens geschlossen, wir hoffen, dass die Tür zum ewigen Leben für dich geöffnet ist. So geh du nun, wir blicken dir nach. Wir wissen nicht, wie die Ewigkeit ist, doch wie du sie dir erträumt hast, so sei sie dir, das wünschen wir. (Anne Paul)

Es gibt für den katholischen Bereich einen offiziellen Ritus, mit dem die verstorbene Person im geschlossenen Sarg vor der Kremation verabschiedet wird. Dieser Ritus kann in einer Kirche, einer Friedhofskapelle, einer Aufbahrungshalle oder in einem Verabschiedungsraum stattfinden und wird von einer Seelsorgerin oder einem Seelsorger oder einer für den ehrenamtlichen Begräbnisdienst beauftragten Person geleitet. Er kann auch mit einer vorausgehenden Eucharistiefeier als Sterbeamt oder einer Wort-Gottes-Feier verbunden sein.

Eine solche Feier macht den Abschied von der Körperlichkeit des Verstorbenen bewusst und kann als Vorbereitung auf die letzte Station des Abschieds, bei der nur noch die Urne mit der Asche der verstorbenen Person ansichtig ist, bedeutsam und hilfreich sein.

Gedenkecke AHPZ 3

Eine Trauerecke schafft einen Ort der Erinnerung, des Gebets und des Trostes. Sie lädt dazu ein, an Verstorbene zu denken, Dankbarkeit für gemeinsame Erlebnisse auszudrücken und die eigene Trauer vor Gott zu bringen. Symbole wie ein Kreuz, eine Kerze oder persönliche Erinnerungsstücke machen sichtbar, dass der Tod zwar das Leben, nicht aber die Beziehung beendet hat.

Der christliche Glaube schenkt die Hoffnung, dass Gott den Menschen auch im Tod und über den Tod hinaus nahe ist. So heißt es im Psalm 23: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir“ (Psalm 23,4). Eine Trauerecke erinnert daran, dass Gottes Nähe und Trost auch in Zeiten von Abschied und Verlust tragen kann.

 

Beispiel für ein Gedenken und eine Erinnerungsecke in einer Institution

Ein Erinnerungsbaum steht an einem gut sichtbaren, ruhigen Ort, beispielsweise im Eingangsbereich, in einer Kapelle oder in einer eigens gestalteten Trauerecke. An seinen Ästen hängt für jede Person ein Blatt aus Papier, Holz oder Filz, auf dem ihr Name geschrieben steht. Der Baum symbolisiert die Gemeinschaft aller Menschen, die in der Einrichtung leben oder gelebt haben.

Verstirbt eine Person, wird ihr Blatt im Rahmen eines kleinen Gedenkrituals bewusst vom Baum genommen. Dies kann durch Mitarbeitende, Angehörige oder Mitglieder der Gemeinschaft geschehen. Das Blatt wird entweder langsam vom Ast gelöst und zu Boden gelegt oder in einen dafür vorgesehenen Erinnerungskorb gelegt. Das fallende Blatt verdeutlicht, dass das Leben eines Menschen zu Ende gegangen ist und ein Abschied notwendig wird.

Ein Foto der verstorbenen Person kann zusammen mit einer Kerze oder einem LED Licht für eine bestimmte Zeit neben dem Baum aufgestellt werden. Das Licht steht für die Erinnerung an die verstorbene Person sowie für die christliche Hoffnung, dass der Mensch bei Gott geborgen bleibt.

Nach einer gewissen Zeit des Gedenkens findet das Blatt mit dem Namen der verstorbenen Person in einer Gedenkecke seinen dauerhaften Platz. Vielleicht gibt es dort auch einen Erinnerungskorb mit den Namen aller bereits Verstorbenen der Einrichtung. Hier kann auch ein Erinnerungsbuch ausgelegt werden. In einer so gestalteten Erinnerungsecke können die Namen der verstorbenen Bewohner weiterhin ihren Platz haben, um zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind. An Allerheiligen, oder zu einem anderen Zeitpunkt im Jahr, kann ein gemeinsamer Gedenkgottesdienst für alle Verstoreben gefeiert werden.

Für Kinder können Bilderbücher zum Thema Tod und Abschied, gemalte Bilder, Stofftiere oder Wunschsteine in eine Erinnerungsecke integriert werden. In Pflegeheimen oder Hospizen bieten mancherorts Sitzgelegenheiten, leise Musik und jahreszeitliche Dekorationen zusätzlich einen besonderen Raum für Begegnung, Erinnerung und Trost.

Oft sind Erinnerungsecken auch mit einem Spruch oder einem Bibelvers versehen, zum Beispiel:

„Für alles gibt es eine bestimmte Stunde.

Und für jedes Vorhaben unter dem Himmel

gibt es eine Zeit.“ (Kohelet 3,1)